Nach Jahren im Zinstal bieten festverzinsliche Wertpapiere wieder spürbare Erträge. Ein Überblick über Funktionsweise, Anleihearten, aktuelle Renditen und ihre Rolle im Depot.
Wer in den vergangenen Jahren einen Blick auf sein Depot geworfen hat, kennt das Bild: Anleihen fristeten über weite Strecken der 2010er- und frühen 2020er-Jahre ein Nischendasein, weil ihre Renditen kaum über der Inflation lagen. Das hat sich geändert. Seit der Zinswende 2022 sind festverzinsliche Wertpapiere wieder eine ernstzunehmende Bausteingröße in der Portfoliokonstruktion – mit allen Chancen und Eigenheiten, die diese Anlageklasse mitbringt.
Eine Anleihe ist im Kern ein Kredit, den Anleger einem Staat, einer Bank oder einem Unternehmen gewähren. Der Emittent verpflichtet sich, während der Laufzeit einen festen oder variablen Zins – den sogenannten Kupon – zu zahlen und am Laufzeitende den Nennwert zurückzuzahlen. Anders als bei Aktien erwirbt man keinen Unternehmensanteil, sondern eine Forderung: Das Risiko liegt primär in der Zahlungsfähigkeit des Schuldners (Bonitätsrisiko) und in Kursschwankungen während der Laufzeit, nicht in einer unternehmerischen Beteiligung am Geschäftserfolg.
Wichtig für das Verständnis ist die Unterscheidung zwischen Kupon und Rendite. Der Kupon steht bei Emission fest und ändert sich nicht mehr. Die Rendite hingegen hängt zusätzlich vom aktuellen Kaufkurs ab: Wird eine Anleihe unter ihrem Nennwert gehandelt, liegt die Rendite über dem Kupon – und umgekehrt. Wer eine Bundesanleihe zu 94,21 Punkten kauft (Kurs vom 07.07.2026) und sie zum Nennwert von 100 zurückerhält, erzielt zusätzlich zum Kupon einen Kursgewinn, der in die Effektivverzinsung von aktuell rund 2,74 Prozent einfließt.
Der Anleihenmarkt ist deutlich heterogener als sein Ruf als "langweilige" Anlageklasse vermuten lässt. Je nach Emittent und Ausstattung unterscheiden sich Bonität, Rendite und Kursschwankung erheblich:
| Anleiheart | Emittent | Bonität | Renditeniveau |
|---|---|---|---|
| Bundesanleihen | Bundesrepublik Deutschland | AAA | |
| Pfandbriefe / Covered Bonds | Banken, besichert | AAA / AA | |
| Investment-Grade-Unternehmensanleihen | Bonitätsstarke Unternehmen | BBB–A | |
| Nachranganleihen | Banken, Unternehmen | BBB und schlechter | |
| High-Yield-Anleihen | Bonitätsschwächere Unternehmen | BB und schlechter |
Je unsicherer die Rückzahlung, desto höher muss der Kupon ausfallen, um Anleger für das eingegangene Risiko zu entschädigen. Bundesanleihen gelten als nahezu ausfallsicher und bieten entsprechend die niedrigste Verzinsung im Vergleich; High-Yield-Anleihen locken mit höheren Kupons, tragen aber ein spürbares Ausfallrisiko.
Die eigentliche Stärke von Anleihen zeigt sich selten isoliert, sondern im Zusammenspiel mit anderen Anlageklassen. Klassischerweise dienen sie als Stabilitätsanker neben Aktien: Während Aktienkurse in Krisenphasen stärker schwanken, reagieren hochwertige Staatsanleihen häufig ruhiger oder sogar gegenläufig. Wie sich dieses Zusammenspiel systematisch für ein robusteres Rendite-Risiko-Profil nutzen lässt, ordnet unser Beitrag zu Diversifikation und Rendite ausführlicher ein.
Wer Anleihen konkret ins Depot integrieren möchte, hat grundsätzlich zwei Wege: den Direktkauf einzelner Anleihen über die Börse oder ein Depot, bei dem Stückelung, Mindestanlage und Einzelbonität selbst geprüft werden müssen – oder den Zugang über Anleihen-ETFs, die eine große Zahl von Emittenten und Laufzeiten in einem einzigen, handelbaren Wertpapier bündeln und so das Einzelrisiko streuen.
Neben Anleihen zählen auch Tagesgeld und Festgeld zu den klassischen sicherheitsorientierten Bausteinen einer Geldanlage. Die Unterschiede liegen vor allem in Flexibilität, Zinsbindung und Kursrisiko:
| Merkmal | Bundesanleihe | Festgeld | Tagesgeld |
|---|---|---|---|
| Zinsbindung | Fest über gesamte Laufzeit | Fest über vereinbarte Laufzeit | Variabel, jederzeit anpassbar |
| Verfügbarkeit | Täglich handelbar (Kursrisiko) | Gebunden bis Laufzeitende | Täglich verfügbar |
| Kursrisiko vor Fälligkeit | Ja | Nein | Nein |
| Einlagensicherung | Kein Bank-Ausfallrisiko (Staatsschuldner) | Ja, bis 100.000 € | Ja, bis 100.000 € |
Eine ausführliche Gegenüberstellung aktueller Konditionen und wann sich welche Variante eignet, haben wir in unserem Beitrag Geld anlegen: Tagesgeld oder Festgeld zusammengefasst.